Was ist hier los?

Alltägliches Bild: desinformierte Bürger (©rihaij/Pixabay)

In den letzten Jahren und Jahrzehnten zeichnen sich die deutschen Medien als „Vierte Gewalt“ im Staate zunehmend dadurch aus, dass journalistische Standards der Nachkriegsjahrzehnte nach und nach aufgegeben werden. Die Gründe sind in den sozialen und technologischen Umbrüchen zu sehen, aber auch in einer mittlerweile nahezu unzertrennlichen Verflechtung politischer und ökonomischer Interessen. Megamedienkonzerne, wie Axel Springer oder Hubert Burda Media, verschlingen mit ihrer Marktmacht und Finanzkraft die letzten Reste einer vielfältigen Meinungslandschaft und unabhängigen Kontrolle. Hinzu kommt, dass die bei den etablierten Presseorganen nachzuschlagenden Weltnachrichten letztlich auf die Meldungen dreier internationaler Nachrichtenagenturen zurückgehen: der Associated Press (AP) aus den Vereinigten Staaten, Reuters aus Großbritannien und der Agence France-Press (AFP) aus Frankreich. In Deutschland ist zudem noch die Deutsche Presse-Agentur (dpa) zu nennen, die eng mit den genannten Konzernen und Agenturen verschränkt ist. Es ist kein Geheimnnis, dass diese Organisationen politisch und geheimdienstlich beeinflusst werden und eine einseitig westliche Sichtweise auf geopolitische Konflikte vertreten. Dies sollte man sich beim täglichen Studieren der Nachrichten- und Kommentarspalten stets im Bewusstsein halten.

Systemdruck für Journalisten

Einige bekannte deutsche Journalisten aus TV- und Printmedien haben ihre Ausbildung in den USA genossen, der ein oder andere gar direkt bei der CIA. Im Allgemeinen bleibt den bei den großen Zeitungen und Magazinen beschäftigten Redakteuren oft nichts anderes übrig, als dieser „hauptdirektiven“ Linie zu folgen, wenn sie Wert auf ihre Arbeitsstelle legen. Dazu müssen sie nicht „von oben“ gezwungen werden, direkter und offener Druck wird in diesem Zusammenhang kaum das Hauptproblem sein. Es erscheint ihnen, wie auch uns Konsumenten, schlicht naheliegend in gefestigten sozialen Mustern zu denken, die sich aus dem Aufwachsen oder zumindest aus dem alltäglichen Bewegen in unserem kulturellen Umfeld ergeben. Viele dabei übernommene Sicht- und Verhaltensweisen sowie inkorpierte Anreize, die beruflichen und privaten Erfolg versprechen, prägen uns unbewusst. Die seit Jahrzehnten oder teils gar seit Jahrhunderten gepflegte Verknüpfung von Politik und Wirtschaft, von Demokratie und Kapitalismus beeinflusst unsere Definition der gelebten Normen und Werte. Wir haben das System verinnerlicht.

Der indirekte Druck für Journalisten wird durch die zunehmende Bedeutung des Internets zusätzlich verstärkt. Die Zeit, die ihnen in früheren Tagen zur Recherche blieb, haben sie beim Verfassen ihrer Artikel meist nicht mehr. So gelangen Agenturmeldungen oft nur – wenn überhaupt – flüchtig geprüft und ungefiltert in die Köpfe der Leser. Der verantwortliche Publizist ist in der Regel kein böser Weltverschwörer, sondern versucht im bestehenden System zu funktionieren.

Die Macht der Öffentlichkeit

Die Presse in einem gewaltenteiligen westlichen System hat jedoch den Auftrag, die gesellschaftliche und politische Gegenwart stets auf den Prüfstand zu stellen. Denn dass Profiteure politischer Systeme zur Generierung ihrer Macht gerne bis an die Grenzen des Machbaren gehen, ist eine historische Selbstverständlichkeit. Zu jeder Zeit musste diese Macht durch Widerstand aus der Gesellschaft reguliert werden. Auf dem Höhepunkt der „Märzrevolution“ 1848, in der die Deutschen für einen Verfassungsstaat kämpften, bewilligte der preußische König Friedrich Wilhelm IV. die Ausarbeitung einer Konstitution erst, nachdem bei Straßenschlachten in Berlin 303 Menschen gestorben waren und er vor der Entschlossenheit der Aufständischen erschrak. Hintergedanke seines Versprechens war es Zeit zu schinden, um eine Revolution zu vermeiden. Nachdem die aufgeheizte öffentliche Stimmung sich abgekühlt hatte, schob er den in der Zwischenzeit von der Frankfurter Nationalversammlung erarbeiteten und sehr fortschrittlichen Verfassungsentwurf beiseite und oktroyierte seine eigene Version. Die zu erwartenden neuerlichen Proteste sowie die übergangene Frankfurter Nationalversammlung selbst, löste er – diesmal besser vorbereitet – mit militärischer Gewalt auf. Das Volk bekam zwar nicht seinen Willen, hatte sich mit der Verfassung von 1848 aber immerhin ein weniger fortschrittliches konstitutionelles System erkämpft, das einen weiteren Kompromis in Richtung Demokratie bedeutete. Ein viel aktuelleres Beispiel ist der Widerstand weiter Teile der Gesellschaft gegen eine datenschutzrechtlich fragwürdige Konstruktion der „Corona-App“ in diesem Frühjahr 2020 durch die Bundesregierung. Nur er verhinderte wohl eine zentrale Datenspeicherung von Abermillionen von Gesundheitsdaten der Bürger und damit die Gefahr eines gegenwärtigen und zukünftigen Missbrauchs der Informationen. Doch wie 1848 sollte man die Entwicklung der nächsten Jahre im Auge behalten. Kauft sich die Regierung nur Zeit?

Der Vergleich macht deutlich: Es ist eine Grundlage für die Stabilität der Demokratie und somit ihre Stärke, dass das öffentliche Einnehmen von Gegenpositionen in einem friedlichen Rahmen möglich ist. Erfüllen die unabhängigen Medien als klassische Unterstützer gesellschaftlicher Anliegen diese demokratische Aufgabe nicht mehr, besteht für unsere erkämpften Rechte eine reale Gefahr. Das bedeutet nicht zwingend, dass es schon soweit ist, denn es gibt, beispielsweise bei den Öffentlich-Rechtlichen, weiterhin kritische Redakteure und freie Mitarbeiter, die politische Missstände offen ansprechen und kritisieren. Aber es bedeutet, dass viele Schritte in diese Richtung unternommen wurden und weiter unternommen werden, wenn es nicht gelingt eine kritische und unabhängige Öffentlichkeit als Gegenpol zu wahren.

Internetmedien als Fluch und Segen

Wirklich unabhängigen Journalismus findet man immer seltener und der verlagert sich zunehmend ins Internet. Hier bieten sich neue Möglichkeiten, um journalistische Beiträge relativ kostengünstig anzubieten. Damit gelangen nicht nur Inhalte jeglicher Coleur und Facette des Anspruchs massenhaft in die Welt. Der verbesserte Zugang einer ebenso heterogenen Masse von Lesern zu diesen Inhalten birgt neben dem Vorteil alternativer Perspektiven auf das Weltgeschehen gleichzeitig die Gefahr, dass diese Masse auf´ s Neue instrumentalisiert wird. Das konsumierte Medium soll niemals von der Aufgabe entbinden sich als Leser seine eigene reflektierte Meinung zu bilden.

In den 2020er Jahren angekommen, wird der Kampf um die Interpretation der durch Digitalisierung, Soziale Medien und Whistleblower verfügbaren Datenmengen insgesamt komplexer und konfliktbehafteter. Zudem werden die Informationsflüsse vermehrt von Desinformationskampagnen begleitet. Verantwortlich dafür sind nicht nur subversive Gruppen oder alternative Medien, sondern auffälligerweise oft auch die traditionellen Kanäle – mal mehr und mal weniger offensichtlich zu durchschauen, da von politischen Think Tanks und Geheimdiensten mithilfe psychologischer und soziologischer Methoden erdacht.

Viele leugnen diese Herabsenkung der Hemmschwellen etablierter Akteure. Zu sehr haben wir uns daran gewöhnt, dass wir die Guten sind und dass die Zeiten der Propaganda in der demokratischen Nachkriegsordnung geflissentlich der Vergangenheit angehören. Damit wird jedoch unterschätzt, dass diese Zeiten niemals ganz vorüber waren und die früher ganz offensichtliche Propaganda im gegenwärtigen neoliberalen System nur versteckter daherkommt. Selbstverständlich folgt weiterhin jede Politik einer machtorientierten Agenda, propagiert bestmöglich die eigene Position und lenkt die öffentliche Meinung mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln in diese Richtung. Wer glaubt, hierzulande gäbe es keine Manipulation, der ist bereits der Manipulation erlegen.

Angleichung der Werte und Normen

Etablierten Medien bleibt als Reaktion auf die zahlreichen Vorteile, die alternative Internetmedien genießen, kaum etwas anderes übrig, als sich anzupassen und mit ähnlichen Mitteln zu arbeiten, wenn sie weiterhin gehört werden möchten. Bis ein journalistisch erarbeitetes Produkt in der Welt ist, das den eingangs angedeuten Ansprüchen an eine gewissenhafte Recherche und Reflexion genügt, ist es in der Zwischenzeit anderswo um ein zigfaches von weniger recherchierten und reflektierten Stimmen und Meinungen übertönt worden. In großer Menge wahrgenommene Wiederholungen verfestigen neuronale Strukturen und suggerieren dem menschlichen Gehirn einen Realitätsgehalt – unabhängig vom Wahrheitsgehalt. So prägen sich schneller und lauter verbreitete, qualitativ möglicherweise minderwertigere Informationen als „Wahrheit“ ein. Anschließend verfestigen sie sich in Handlungsmustern und sind bedeutend an der Herausbildung neuer sozialer Strukturen beteiligt, die wiederum zukünftig die allgemeine Akzeptanz eben dieser Sichtweise erleichtern. Plausiblere Argumente haben es danach schwer, die Weltsicht der Menschen noch in adäquaten Ausmaßen zu beeinflussen. Wenn man dies bedenkt, ist die Anpassung des Establishments an die heutigen Kommunikations"regeln" keine große Überraschung mehr.

Wer das beschriebene Szenario verhindern möchte, der wird allein aus defensiven Gründen dazu gezwungen sein schnell zu veröffentlichen. Und wer schnell ist, der bietet in der Regel schlechtere Qualität. Zwar findet man bei großen Zeitungen immer noch Korrespondenten, die auch unter Zeitdruck gute Analysen abliefern und eine entsprechende Vorbildung besitzen, doch in anderen Fällen sind Journalisten keine Experten für die in ihren Artikeln besprochenen Themen. Das Ergebnis hängt dann sehr stark davon ab, inwieweit sich ein Laie, der sich nur kurzzeitig mit einem bestimmten Gegenstand auseinandersetzt, vor dem Hintergrund einer knappen Abgabefrist einer gewissenhaften Recherche und mehrschichtigen Beleuchtung verschreibt. Übernimmt eine immer größere Anzahl von Berichterstattern selbst renommiertester Nachrichtenanbieter unkontrolliert und unkommentiert Agenturmeldungen, so ist der Qualitätsverfall auch dort nicht mehr zu leugnen.

Welche Motivation steckt hinter diesem Blog?

Ein Ziel dieses Blogs ist es daher, die hierzulande stark frequentierten etablierten und alternativen Nachrichtenportale, die über die geopolitische Weltlage berichten, interessensphärisch zu ordnen und inhaltlich einzuschätzen, um dem Leser eine zusätzliche Orientierung zu geben. Es wird die Sichtweise zugrundegelegt, dass es empfehlenswert ist, sich über Portale zum Tagesgeschehen zu informieren, die sämtliche Standpunkte abdecken. Argumente der Gegenseite zu betrachten und zu versuchen sie nachzuvollziehen ist unerlässlich in einer politischen Diskussion. Letztlich sollte man, unabhängig davon, ob Artikel die eigene Meinung bestätigen oder nicht, grundsätzlich seine Aufmerksamkeit auch darauf richten, wem die darin vertretene Position nutzt.

Der Leser soll motiviert werden, sich an diese Dinge heranzuwagen. Jeder ist eingeladen und aufgefordert selbst zu den besprochenen Themen zu recherchieren und einen eigenen Standpunkt herauszubilden. In diesem Sinne bietet der Blog eine zusätzliche Alternative. In zwei Kategorien - POLITIK und MEDIEN - sollen aktuelle Ereignisse in unregelmäßigen Abständen begleitet werden. Beide Kategorien sind inhaltlich eng verwoben und überschneiden sich oftmals. In die "Medien“-Kategorie fällt eher die kritische Auseinandersetzung mit konkreten Artikeln und Beiträgen, die viá Internet der Öffentlichkeit das Weltgeschehen vermitteln sollen. In der „Politik“-Kategorie werden die politischen Hintergründe und globalen Zusammenhänge dieser Ereignisse beleuchtet.

Damit kann selbstverständlich wieder nur eine subjektive Sichtweise geboten werden. Die Möglichkeit dies unabhängig in einem privaten Blog tun zu können, soll mich aber nicht von dem Anspruch entlasten, die sich mir bietenden Informationen nach bestem Wissen und Gewissen als Politikwissenschaftler und Historiker zu verarbeiten. In beiden Fachbereichen kommt der Quellendeutung- und bewertung eine wichtige Rolle zu und wird gezielt geschult. Das soll den Beiträgen zugute kommen. Dabei besteht keine staatliche oder korporative Zugehörigeit und es wird keinerlei politische Agenda verfolgt. Es geht nicht darum noch ein weiteres propagierendes und manipulierendes Medium zu schaffen, sondern darum etwas Licht ins Dickicht der Bestehenden zu bringen.

Wer sich ohne Hass- und Spaltungsabsicht in diese Bereiche einlesen und damit ein wenig unabhängigen Input holen möchte, der sei – fernab seiner eigenen Schlüsse – stets willkommen.

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