Money talks

Peanuts (©Pictures of Money/flickr)

08. Juni 2020  Möglicherweise haben Sie es schon gelesen und falls nicht, werden Sie es wahrscheinlich nicht sofort glauben: Dem Pentagon sind zwischen 1998 und 2015 „rund“ 21 Billionen Dollar (englisch: „trillion“, also kein Übersetzungsfehler) verloren gegangen. Oder besser gesagt: Das Geld ist ausgegeben worden, ohne dass für die Verwendung irgendwelche Belege vorhanden sind. Wie lässt sich die Summe einordnen im Vergleich zu all den Vermögenswerten dieser Welt?

Als Mark Skidmore, Professor für Wirtschaftswissenschaft an der renommierten Michigan State University, darauf aufmerksam gemacht wurde, dass allein im Jahre 2015 6,5 Billionen $ in der Bilanz des US-Verteidigungsministeriums fehlten, dachte er zunächst an einen Druckfehler und forschte nach. Aus unvollständigen Dokumenten – es handelte sich lediglich um die offziell veröffentlichten und bis ins Jahr 1998 zurückreichenden Unterlagen – errechnete er dann sogar die oben genannte Gesamtsumme von 21 Billionen $. Inoffiziell sind es wahrscheinlich noch mehr. Nachdem die Behörden Wind vom prominenten Schnüffler bekamen, verschwanden die Dateien von der Webseite des Büros des Generalinspektors im amerikanischen Verteidigungsministerium. Peinlich, dass einige vorausschauende Seitenbesucher zu diesem Zeitpunkt bereits Sicherheitskopien angefertigt hatten.

Dank dieser Geistesgegenwart kann heute jeder Zweifler und Interessierte den offiziellen Bericht des Verteidigungsministeriums für das Jahr 2015 ausführlichst begutachten. Die Behörde gibt darin sogar eine Stellungnahme zu den schiefen Zahlen ab: Das Verteidigungsministerium sah demnach keine Priorität zur Korrektur der Systemmängel, die zu diesen „Anpassungen“ führten. Okay, sind ja auch nur 6.500.000.000.000 Dollar schwere Anpassungen und damit etwa das 54fache des gesamten Verteidigungsetats der USA in besagtem Jahr, der 120 Milliarden $ betrug. Wenn man in Betracht zieht, welche Vermögenswerte derzeit auf diesem Planeten bewegt werden, ist diese Zahl womöglich tatsächlich nicht der Rede wert.

„The Money Project“ auf visualcapitalist.com hat Ende Mai 2020 wieder neue Zahlen zu den Globalvermögen veröffentlicht. Perfekte Grundlage für ein Verteidungsplädoyer.

Geld, wem es gehört und wem es nicht gehört

Fangen wir mal klein an: Die weltweiten Militärausgaben betragen derzeit knapp 1,8 Billionen $. Der Wert sämtlichen überirdischen Silbers beträgt 43,9 Milliarden $, der Wert sämtlichen überirdischen Goldes 10,89 Billionen $. Alle Kryptowährungen zusammen generieren einen Wert von 244 Milliarden $, zwei Drittel davon entfällt auf Bitcoin. Sämtliche Münzen und Banknoten, die derzeit weltweit im Umlauf sind (die meisten übrigens in der EU), haben etwa einen Gesamtwert von 6,6 Billionen $. Der Gesamtwert sämtlichen schnell verfügbaren Geldes auf der Welt beträgt 35,2 Billionen $. Der Großteil existiert also nur als Zahl auf dem Bankkonto. Das ist auch der Hauptgrund dafür, warum in Krisenzeiten gebetsmühlenartig darum gebeten wird, nicht sein ganzes Geld abzuheben – es ist nämlich nicht genug davon da.

Die, wie viele möglicherweise nicht wissen, private Federal Reserve Bank der Vereinigten Staaten sitzt derzeit auf über 7 Billionen $, von denen über 40 % erst zu Jahresbeginn hinzugefügt wurden. Verschwörungstheoretiker sind herzlich eingeladen ihrer Phantasie freien Lauf zu lassen. Die aktuellen US-Staatsschulden nach den jüngsten Ausgaben für die Abfederung der Corona-Folgen liegen bei 3,8 Billionen $.

Derzeit weilen auf dieser Erde genau 2.095 Milliardäre unter uns, die einen Besitz von etwa 8 Billionen $ auf sich vereinen. Die fünf reichsten sind Jeff Bezos (113 Milliarden $), Bill Gates (98 Milliarden $), Bernard Arnault (76 Milliarden $), Mark Zuckerberg (68 Milliarden $) und Larry Ellison (mit schlanken 59 Milliardchen $). Die 500 größten Unternehmen der USA sind insgesamt ungefähr 22,6 Billionen $ wert, auf die fünf wertvollsten von ihnen (Microsoft, Apple, Amazon, Alphabet und Facebook) entfallen rund 5,44 Billionen $, was in etwa 24 % des Gesamtwertes der Top500 entspricht. Soweit, so übersichtlich.

Es wird nun Zeit für die etwas schwereren Geschütze. Der auf sämtlichen Aktienmärkten dieser Welt gehandelte Gesamtgeldwert beträgt 89,5 Billionen $. Der Gesamtwert allen Geldes inkl. Münzen, Banknoten, Aktien, Sparguthaben usw. usf. beträgt 95,7 Billionen $. Alle Immobilien auf diesem Planeten sind derzeit etwa 280,6 Billionen $ wert. Nordamerika und Europa liegen gleichauf mit jeweils 22 % dieser Summe. Wohnimmobilien machen den absoluten Hauptanteil aus mit 220 Billionen $, kommerzielle (33 Billionen $) und landwirtschaftliche Immobilien (27 Billionen $) liegen abgeschlagen dahinter.

Wo Geld ist, sind Schulden aber nicht weit. Besonders interessant ist, dass die globalen Schulden von Staaten, Unternehmen und Haushalten mit derzeit 253 Billionen $ die schnell verfügbaren Vermögenswerte um das 2,64 fache übersteigen. Dass der Kapitalismus nicht funktioniert, wissen Sie also spätestens jetzt. Die Hauptschuldner sind Unternehmen, die nicht dem Finanzsektor zugerechnet werden (29,5 %), dicht gefolgt von den Nationalstaaten selbst (27,4 %) und den Privathaushalten (24,3 %). Auf den Finanzsektor entfallen 18,8 % aller weltweiten Schulden.

Das globale Gesamtbild und das Abdriften ins Surreale

Setzt man all diese Zahlen in einen Gesamtzusammenhang, bekommt man einen Eindruck davon, wie die Schweizer Bank „Credit Suisse“ die globale Vermögensbilanz von 360,6 Billionen $ errechnet haben muss. 29,4 % des weltweiten Vermögens liegt in den USA, 25,2 % in Europa. Das reichste Land Europas ist übrigens Deutschland mit einem Anteil von 4,1 %, gefolgt vom Vereinigten Königreich (4,0 %), Frankreich (3,8 %), Italien (3,1 %) und Spanien (2,2 %). Vermögendster Kontinent ist allerdings Asien (inkl. Australien) mit 39,2 % der Vermögensanteile. Wenig überraschend liegt hier China (17,1 %) vor Japan (6,9 %) und Indien (3,5 %). Abgeschlagen sind Lateinamerika (2,7 %) und Afrika (1,1 %). Ganz Afrika ist also ziemlich genau halb so reich wie Spanien.

Zuletzt noch ein Blick auf den spekulativen Teil der Wertanalyse. Der toppt die hier aufgeführten Zahlen noch einmal richtig. Es ist die Welt der Derivate (Futures, Optionen usw.), also der Finanzwetten und mehr oder weniger fiktiven Geldgeschäfte. Allerdings verlassen wir hier den Pfad der vollständig gesicherten Informationen und hangeln uns hinab in den Bereich der Schätzungen. Machen wir es kurz und schmerzlos: Minimalangaben gehen in diesen Finanzbereichen von einem fiktiven Umlaufgesamtwert von 558,5 Billionen $ aus, Spitzenschätzungen erreichen eine Billiarde $. Der untere Wert kann berechnet und quantifiziert werden und liegt praktisch gesichert vor. Der obere Wert geht ebenfalls grundsätzlich auf zitierbare Quellen zurück, ist aber in letzter Konsequenz nicht mehr mit standardisierten Methoden zu erfassen.

Wer möchte, kann sich nun den Spaß machen, all dies zusammenzuzählen, durcheinanderzuwürfeln und neu zusammenzulegen. 21 Billionen verlorene Dollar des Verteidigungsministeriums der USA machen knapp 60 % aller schnell verfügbaren sowie 22 % der komplett verfügbaren Geldwerte der Welt aus sowie gut 93 % des Wertes der 500 reichsten Unternehmen der USA, mehr als den fünffachen Wert des gesamten afrikanischen Kontinents, gut 7,5 % aller Immobilienwerte auf diesem Planeten und knapp 6 % der gesamten globalen Vermögensbilanz. Wohlgemerkt aufgestaut in „nur“ 17 Jahren und zudem noch basierend auf unvollständigen Unterlagen. Man lernt: 6 % aller Vermögen dieser Welt ist tatsächlich ein Klacks, der den Aufwand ihm kleinlich nachzuforschen schlicht nicht wert ist. Das können wir gerne gelangweilten Wirtschaftsprofessoren überlassen.

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